hedgehog in the hands
Igel in Waage
newborn hedgehog on male rough, dirty hand palm closeup. baby he

Erste Hilfe Maßnahmen für Igel

Rechtliche Grundlage

Der Igel ist ein streng geschütztes Tier und darf nicht ohne triftigen Grund aus der Natur entnommen werden. Ausnahmen sind Verletzungen, Krankheit und Waisen.

Zunächst einmal sind alle Igel, die tagsüber gesichtet werden, hilfsbedürftig. Man unterscheidet hier zwischen Jung- und Altigeln.

Es kann aber auch schon mal vorkommen, dass eine Mutter auch tagsüber mit ihrem Nachwuchs unterwegs ist, aber das ist eher selten.

 

Am Einfachsten ist es, dem Igel ein Handtuch überzuwerfen, und ihn damit dann vorsichtig hochzuheben.

Aufwärmen

Als erstes ist festzustellen, ob der Igel unterkühlt ist. Er fühlt sich dann sehr kalt an, und ist auch kaum in der Lage, sich zu bewegen. Er sollte dann schnellstmöglich auf eine handwarme Wärmflasche gelegt und mit einem weichen Handtuch abgedeckt werden, bis er sich wieder regt und aufgewärmt ist.

Parasiten entfernen

Sichtbare Zecken, Flöhe, Fliegeneier und Maden sind so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder einer sauberen Zahnbürste oder einem Floh-Kamm zu entfernen.

ABER: den Igel NIEMALS baden!

Baden bedeutet zusätzlichen Stress für das Tier und ist somit nicht förderlich – es könnten sich z. B. aber auch Fliegeneier lösen, die sich dann wiederum an einem anderen Teil des Fells wieder verkleben und sich trotzdem weiterentwickeln.

Entwurmung

Gefundene Igel bekommen zunächst einmal KEINE Floh- oder Wurmkur!

Der Floh des Igels ist wirts-spezifisch, d.h. er befällt nur den Igel. Der Floh mag weder Hund, Katze noch Mensch. Von sogenannten Spot-On-Präparaten gegen Würmer und Flöhe ist dringend abzuraten, sie sind i.d.R. viel zu stark für den Igel! Eine Entwurmung sollte erst dann vorgenommen werden, wenn das Ergebnis einer genauen Kot-Untersuchung dies erforderlich macht.

Erste Nahrung

Als nächstes sollte versucht werden dem Igel Nahrung anzubieten. Bei größeren Tieren, die schon Zähne haben hat sich „schlotziges“ (labberiges) Rührei ohne Fett oder Gewürze bewährt. Anzubieten ist in jedem Fall auch Wasser oder ungesüßter, abgekühlter Fencheltee.

ABER: auf keinen Fall Kuh- oder Katzenmilch!

Igel haben eine hohe Lactose-Intoleranz; das bedeutet: sie bekommen starken Durchfall von Kuh- oder Katzenmilch. Auch andere Milch-Produkte wie Quark, Hüttenkäse oder Joghurt sind nicht angezeigt.

Unterbringung

Als Unterbringung eignet sich ein großer, hoher und sauberer Karton, den man warm und dunkel aufstellt. Der Karton wird mit Zeitungspapier ausgelegt – bitte nicht mit Stroh, Heu, Blättern, Sägespänen oder sonstigem Einstreu-Material. In eine Ecke des Kartons kommt ein kleines Schlafhaus mit einem weichen Handtuch drin zum einkuscheln. Igel lieben dunkle Nester!

Weitere Schritte

Zuletzt sollte unbedingt eine Igelstation oder ein igelkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden. Igel alleine großzuziehen ist für Anfänger recht schwierig, da sie selten unterscheiden können, was wo in welchem Fall richtig zu tun ist. Ein Aufenthalt in einer Igelstation macht es für alle Seiten leichter, und der Finder bekommt im Normalfall „seinen“ Igel zum Auswildern im eigenen Garten wieder zurück!

Viele Menschen sind sich der Gefahr für Igel und Kleinsäuger in ihrem Garten nicht bewusst. Da ist zum Beispiel die Kellertreppe, die ein Igel ohne weiteres hinunterstürzen aber keinen Weg mehr hinauf finden kann, da die Treppenstufen in der Regel zu hoch für ihn sind! Dem kann man abhelfen, indem man auf jeder Stufe (beginnend mit dem Boden) einen halben Backstein legt. Diese (halbe) Stufenhöhe kann der Igel ohne größere Schwierigkeiten überwinden.

Eine andere, häufige Todesfalle sind nicht abgedeckte oder nicht vergitterte Keller- bzw. Lichtschächte, in die Igel hineinfallen und nicht mehr entfliehen können. Diese kann man einfach und preiswert abdecken oder vergittern, so dass das Hineinfallen verhindert wird. Das Gleiche gilt auch für Baugruben jeglicher Art-diese müssen jeden Morgen und Abend kontrolliert werden–insbesondere, wenn sich darin auch Wasser sammelt.

Ein Igel muss trinken, er will dafür aber nicht schwimmen gehen. Gartenteiche ohne Flachzone im Uferbereich sind dabei eine schreckliche Falle. Abhilfe schafft hier die Einrichtung einer Flachwasserzone im Uferbereich des Gartenteiches oder aber das Hineinlegen eines Brettes, damit der havarierte Igel mittels dieses „Steges“ sicher das rettende Ufer erreichen kann.

Die nachtaktiven Igel verstecken sich in der Regel den ganzen Tag über in ihren Nestern, die sich häufig unter Büschen und Sträuchern befinden. Trotzdem können sie dort von Mährobotern, Rasentrimmern oder Laubbläsern– bzw. -saugern aufgescheucht und sogar schwer verletzt werden. Besonders die Verletzungen durch Mähroboter nehmen in den letzten Jahren stark zu, da diese automatischen Systeme bei ihrer Arbeit den Igel nicht erkennen! Die Gefahr für Igel ist noch größer, wenn diese Systeme auch nachts arbeiten, da der Igel dann auch im „Arbeitsbereich“ der Mähroboter auf Nahrungssuche geht!

Rote Nacktschnecken können dem Gärtner bekanntermaßen gerne die Früchte seiner Arbeit zerstören. Schnell geht da der Griff dann zum Schneckenkorn und schon ist das Wohl des Igels betroffen. Schnecken machen zwar nur etwa 6 % seiner Nahrung aus, aber wenn der Igel nicht genug Anderes findet, frisst er eben auch Schnecken. Das Schneckenkorn hinterlässt im Körper der Schnecke immer nicht-verstoffwechselte Gifte(also Giftreste), die beim Fressen der vergifteten Schnecke dann vom Igel aufgenommen werden und zu seinem Tode führen.

Jeder in seinem Garten schützt gerne seine Ernte und hat schnell ein paar Vogelschutznetze für die Früchte an Büschen, Bäumen und Beeten zu Hand. Hängen diese Netze aber bis zum Boden, können sich Igel mit Ihrem Stachelkleid darin leicht verheddern, ohne dass sie sich eigenständig daraus mehr befreien können. Gleiches gilt natürlich auch für andere Netze wie z.B. für Fußballtor-, Heu- Netze o.ä.

Der Igel ist eigentlich immer hungrig. Deshalb stöbert er auch gerne mal in leicht zugänglichen Müllsäcken (z.B. „gelber Sack“). Er ist ohne weiteres in der Lage die dünnen Plastiksäcke mit seinen Klauen und Zähnen aufzureißen, um an die begehrten Nahrungsreste–meist in Bechern oder Dosen–zu gelangen. Steckt der Igel allerdings seinen Kopf in Becher oder Dosen, wirken seine nach hinten gerichteten Stacheln wie Widerhaken, die im Becherplastik oder am Dosenrand hängen bleiben und ihm ein entkommen unmöglich machen. Der Igel wird verhungern.